Anatomie

Das biomechanisch besonders komplexe Kniegelenk verbindet den Oberschenkelknochen (Femur) mit dem Schienbein (Tibia) und zusätzlich den Oberschenkelknochen mit der Kniescheibe (Patella). Stabilisiert wird das Kniegelenk durch die Kapsel, die Kreuz- und Seitenbänder sowie die Oberschenkelmuskulatur und gewährleistet die notwendige Bewegungsfreiheit und Kraftübertragung. Die bestehende Inkongruenz der Gelenkflächen wird durch den Innen- und Außenmeniskus ausgeglichen.

Der Bandapparat des Kniegelenks besteht aus zwei Kreuzbändern, dem Innen- und Außenband (Seitenbandapparat). Das vordere und hintere Kreuzband sind jeweils 8-10mm dick. Beide Kreuzbänder verlaufen im Zentrum des Kniegelenks und kreuzen sich dort. Zusammen mit den Seitenbändern sind sie für die Stabilität und die Führung des Gelenks bei jeder Bewegung zuständig. Hierbei verhindert das vordere Kreuzband das Weggleiten des Unterschenkels nach vorne, das hintere das Weggleiten nach hinten. Für eine in jedem Bewegungsgrad stabile Führung des Kniegelenkes unter funktioneller Belastung bedarf es eines sehr gut miteinander abgestimmten Zusammenspiels jeder einzelnen Kniegelenksstruktur (bzw. eines hohen Maßes an neuromuskulärer und propriozeptiver Koordination). Nur im „Gesamten“ kann das Kniegelenk den hohen Kräften und der großen Mobilität, denen es ausgesetzt ist, gesund widerstehen.

Ursachen

kreuzbandverletzungBeim Unfallmechanismus einer Kreuzbandverletzung kommt es meist durch abrupte Drehbewegungen oder Überstrecken für die kurze Zeit eines Wimpernschlags zu einer Subluxation der Kniegelenkspartner, d.h. zu einer Verschiebung von Unter- und Oberschenkel. Häufig entstehen hierdurch noch zusätzliche Kniebinnenschäden, denen erst in der letzten Zeit eine immer größere Bedeutung beigemessen wird. Ein isolierter Kreuzbandersatz bei nicht gleichzeitig behandelten zusätzlichen Verletzungen an Meniskus und Knorpel oder an der Kniegelenkkapsel (wie z.B. einer Instabilität der medialen oder lateralen Kniekapsel) scheint eine erhöhte Rate an Re-Rupturen (erneuter Kreuzbandriss) und die Entwicklung einer frühzeitigen Arthrose zur Folge zu haben.

Ein anderes Augenmerk richtet sich auf angeborene anatomische Besonderheiten die mit einer deutlich erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Knieverletzung einhergehen können und ggf. ebenfalls bei einer Kreuzbandversorgung mitbehandelt werden sollten.

Symptome

kreuzbandverletzung2Die betroffenen Patienten bemerken beim Riss des Kreuzbandes häufig ein „Knacken“. Unmittelbare Folgen sind oft starke Schmerzen, Blutergüsse und Schwellungen am Kniegelenk – die Bewegungsfähigkeit ist häufig eingeschränkt. Im weiteren Verlauf lassen die Schmerzen nach und es bleibt sehr häufig eine Instabilität (Ein- oder Wegknicken des Kniegelenks) zurück mit der Folge von Gangunsicherheit und vor allem Sportunfähigkeit.

Diagnose

Im Vordergrund stehen zunächst die genaue Anamnese zum Unfallereignis sowie eine klinische Untersuchung des Kniegelenks. Durch wenige gezielte Tests lässt sich ein Kreuzbandriss meist schnell feststellen. Um die Verdachtsdiagnose zu bestätigen und weitere Kniebinnenschäden auszuschließen kann zusätzlich eine MRT-Untersuchung durchgeführt werden. So können Begleitverletzungen an Meniskus, Knorpel und oder der Kniegelenkkapsel rechtzeitig diagnostiziert und eine entsprechende individuelle Therapieplanung eingeleitet werden.

Therapie

Kreuzbandrisse können operativ oder konservativ behandelt werden. Aber gerade für Menschen die Ihr Leben aktiv gestalten und sportlich aktiv bleiben möchten scheint ein Eingriff mit kniegelenkstabilisierender Therapie langfristig für das Kniegelenk die bessere Option zu sein. Ohne das für ein Kniegelenk wichtige stabilisierende Kreuzband kann es infolge der Instabilität und der hierdurch bedingten Fehlbelastung des Kniegelenks zu einem frühzeitigen Knorpelverschleiß bzw. Arthrose kommen.

Das Standardverfahren zur Behandlung eines Kreuzbandrisses ist die Stabilisierung durch eine Kreuzbandplastik. Als Ersatz werden dabei körpereigene Sehnen (z.B. Semitendinosus- und Gracilissehne, ein Teil der Quadrizepssehne oder ein Teil der Patellarsehne) arthroskopisch in das Kniegelenk eingesetzt. Der Eingriff erfolgt über kleine Hautschnitte (minimal-invasiv) und ist somit für den Patienten sehr schonend. Die Fixierung des Transplantats in den Knochenkanälen erfolgt gelenknah je nach anatomischen Gegebenheiten mit z.B. Schrauben und Endobutton oder pressfit ohne Fremdmaterial mit einem Knochenblock.

Die Anforderungen an die gewünschten Bewegungs- und Belastungsformen des Kniegelenks werden für jeden Patient im Hinblick auf die Auswahl des Implantats für den späteren Kreuzbandersatz analysiert und die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Transplantatmöglichkeiten sowie eine Transplantatwahl gemeinsam abgestimmt.

Nachbehandlung

Die postoperative Versorgung des Patienten erfolgt unter stationären Bedingungen. Neben einer Teilbelastung des Kniegelenks mit Unterarmgehstützen wird meist eine Limitierung des Bewegungsausmaßes mit einer Knieorthese notwendig, wobei Dauer und Umfang der Bewegungseinschränkung von den behandelten Verletzungen abhängen und bis zu 6 Wochen betragen können. Um möglichst schnell wieder zu voller Leistungsfähigkeit zu gelangen ist eine konsequente Nachbehandlung erforderlich. Hier profitiert der Patient von der Erfahrung und Kompetenz unseres Physiotherapeuten-Teams.
Die Nachbehandlung kann sich über Wochen bis Monate erstrecken und sollte von erfahrenen Physiotherapeuten begleitet werden. Dauer und Intensität der Rehabilitation richten sich nicht nur nach den behandelten Verletzungen sondern werden auch von den individuellen Voraussetzungen und der sportlichen Konstitution jedes Patienten bestimmt. Weit langwieriger und umfangreicher ist die Behandlung bei einer hinteren Kreuzbandverletzung.

Wir nutzen Cookies und Google Webfonts. Mit der weiteren Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies und Google Webfonts verwenden.
Weitere Informationen Einverstanden